Interview mit Urs Signer, Präsident des Jodelclubs Uzwil

Jodeln – ein urschweizerischer Brauch der auch heute noch grosses Ansehen geniesst

 

Jodeln gehört seit jeher zum schweizerischen Brauchtum. Jedes Kind in der Schweiz weiss was jodeln ist und kann sich darunter etwas vorstellen. Doch wie genau wird gejodelt? Und woher stammt dieser Brauch? Der Uzwiler Jodelclub ist einer der schweizweit ältesten. Dessen Präsident Urs Signer stand Uzgang.ch für ein Interview zur Verfügung.

Sie sind seit fast einem Vierteljahrhundert, seit 23 Jahren Mitglied des Jodelclub Uzwil. Wann haben Sie mit dem Jodeln angefangen?
Selbstverständlich habe ich als Appenzeller als Kind schon ab und zu gesungen oder gejodelt. Offiziell singe ich seit 1995.

Wie sind Sie zum Jodeln gekommen? Wieso jodeln Sie?
Vorwiegend aus purer Freude. Singen ist gut für Körper und Geist. Es hilft Alltagsstress und Sorgen zu vergessen und Gedanken neu zu ordnen. Die Kameradschaft im Club zu pflegen, gemeinsame Ziele angehen, mit Freude anderen Leuten Freude bringen, das ist Futter für die Seele.

Woher kommt das Jodeln ursprünglich?
Der Jodel und das Jodellied waren früher Alleingut der Hirten und Sennen. Sie brachten damit droben in der Bergeinsamkeit ihre Freude und ihre Sorgen zum Ausdruck. Aber auch heute noch ziehen die Sennen im Frühling bei der Alpfahrt unter Jodel und Gesang mit ihren Herden auf die grünen Alpen, und im Herbst, wenn sie ins Tal zurückkehren, nehmen sie mit einem letzten Jodel und Jauchzer von ihr Abschied.

Was hatte Jodeln früher für eine Bedeutung? Was hat es heute für eine?
Ich denke das Jodeln hat seit jeher die gleiche Bedeutung. Der Mensch will der Seele etwas Gutes tun und im Gegenzug die Sorgen und Nöte etwas bändigen. Es ist eine positive Art der Freizeitgestaltung und tut Körper und Seele gut.

Ab welchem Altern kann man jodeln?
Jodeln kann man schon als Kleinkind. Viele Bauernkinder versuchen nach Alpfahrten oder anderen Anlässen ihre Väter zu kopieren. Logischerweise lässt die Qualität dann noch zu wünschen übrig. Ganz nach dem Motto: Früh übt sich, wer ein Meister werden will.
In vielen Vereinen gibt es Kinderjodelchöre. Damit fördert man im Grundsatz den Jodler von Morgen. Die bewegen sich so im Alter zwischen 5 und fünfzehn Jahren (Stimmbruch).

Früher war das Jodeln den Hirten vorenthalten, also der männlichen Bevölkerung. Heute jodeln auch Frauen. Gibt es einen Unterschied in der Art des Jodelns zwischen Frauen und Männer?
Die Jodeltechnik ist bei Frauen Männern gleich. Von Natur aus sind Frauenstimmen selbstverständlich eher für die oberen Stimmen gemacht, (Tenor) die Männerstimmen bewegen sich besser in den Bassstimmen. Sie geben dem Lied den Boden. Obwohl heute auch viele Männer sehr hoch hinausjodeln können.

Wie jodelt man? Wie entsteht ein Ton, welche Technik steckt dahinter?
Es gibt 5 verschiedene Jodelarten: Der Singjodel, Der Zungenschlagjodel, Der Kehlkopfschlagjodel, Der Chugelijodel und der Der Tröhljodel. Es ist aber nicht nur die Jodeltechnik wichtig. Unter vielen Anderem sind auch die Tonstütze, oder die Atemtechnik wichtige Elemente.

Gibt es Noten beim Jodeln, oder nach welcher Anleitung jodelt man?
Richtig. Es gibt geschriebene Jodellieder und Naturjodel. Jodellieder kann man beim Komponisten oder beim Verlag bestellen und kaufen. Es gibt aber auch ungeschriebene, frei überlieferte Naturjodel. Diese lernt man nur über das hören und nachsingen.

Zu wievielt wird gejodelt?
Da ist alles möglich. Man kann Solojodeln, im Duett, Tezett, Quartett bis hin zum Chor. Je mehr verschiedene Stimmen in einem Jodel enthalten sind, umso mehr Musik gibt es.
In einem ganzen Jodelchor wird jeweils die gleiche Stimme von mehreren Personen gesungen.

Wird heute mit, oder ohne musikalische Begleitung gejodelt?
Es ist nicht unüblich, in Kleinformationen mit Handorgelbegleitung zu singen. Ein ganzer Jodelclub singt aber selten mit musikalischer Begleitung.

Wie machen Sie das im Jodlerclub Uzwil?
Wir von JK Uzwil haben auch schon Kleinformationen mit Begleitung gesungen. Dieses Jahr führen wir die Jodelphonie zusammen mit der Blasmusik Füürharmoniker auf. Dieses Stück zu üben war eine neue Erfahrung für uns, hat sich aber mit Sicherheit gelohnt.

Was ist generell das Anspruchsvolle beim Jodeln?
Es ist alles oder nichts anspruchsvoll. Es kann sehr schwierig sein, über längere Zeit immer denselben Ton zu singen, während andere Stimmen eine Melodie singen. Es ist also nicht nur der Vorjodler der Star. Wenn man so will, ist vielleicht das Anspruchsvollste, dass jede Stimme zum richtigen Zeitpunkt den richtigen Ton singt.
Dass zwanzig Leute in einem mehrstimmigen Lied zu einer Einheit werden, das ist schon recht schwierig. Um das zu erreichen ist fleissiges und diszipliniertes Proben unerlässlich.

Das viele Proben kann sicherlich auch anstrengend sein, aber was macht Ihnen am meisten Spass am Jodeln?
Singen bedeutet für mich Freiheit. Mit den Jodelliedern die Schönheiten unserer wundervollen Natur und die verschiedenen Jahreszeiten im Geist zu erleben, das ist gut fürs Gemüt. Wenn wir bei einem Auftritt spüren, wie wir Freude in die Herzen der Zuhörer bringen, dann macht es nicht nur Spass, es ist schlicht überwältigend.

Es liegt im Trend wieder volkstümliche Veranstaltungen zu besuchen, das Schwingfest beispielsweise boomt. Haben Sie dieses gestiegene Interesse an der Schweizer Tradition auch bei Ihnen im Jodelclub gespürt? Wenn ja, wie?
Wir werden immer wieder angefragt für Auftritte an Schwingfesten oder Delegiertenversammlungen der Schwinger. Obwohl das Hauptinteresse dem Sport gilt, geben wir dem Anlass immer eine traditionelle und gemütliche Atmosphäre.
An Erntedankgottesdiensten zeigt sich auch sehr gut, wie beliebt unser Brauchtum ist. So habe ich gehört, dass an Jodlermessen die Kirchen viel besser besetzt seien, als wenn ein anderer Verein den Gottesdienst mitgestaltet.

Der Eidgenössische Jodlerverband (EJV) zählt aktuell 20’000 Mitglieder, der Jodelclub Uzwil 20. Wie entstand der Jodelclub Uzwil, als einer der Ältesten der Schweiz?
Der Jodlerclub Uzwil ist aus der Gesangssektion des Arbeiterturnverein Uzwil hervorgegangen. Kurzsichtige Mitglieder fanden eine Gesangssektion als finanzielle Belastung überflüssig und es kam zur Auflösung. Doch vier eifrige Sänger konnten sich nicht damit abfinden und beschlossen ein Jodlerquartett zu gründen.
Lienhard Emil 1. Tenor, Buchser August 2. Tenor, Kull Albert 1. Bass und Jodler, Schallenberger Simon 2. Bass. Als Dirigent konnte Hans Kaufmann, der Vater des legendären Komponisten Fred Kaufmann gewonnen werden. Mit 50 Rp. Pro Mitglied und Probe wurde der Dirigent bezahlt.
Als 1923 in der Krisenzeit Buchser August auswanderte, wurde versucht ein Jodeldoppelquartett zusammen zu bringen. Die Sänger waren bald beisammen und in der Person von Julius Graf war ein sehr guter Jodler gefunden. Es dauerte nicht lange und die Jodler fanden den Mut eine eigene Unterhaltung im Saale zum Neuhaus zu starten. Das wurde ein voller Erfolg, die Sympathie zum Jodlerclub wuchs immer mehr. In der Folge konnte eine schöne Anzahl Gönner und Passivmitglieder gewonnen werden, die halfen die finanziellen Sorgen zu tragen. So war der Jodlerclub geboren und hat nun eine fast hundertjährige Geschichte geschrieben.

Am Sonntag, 24.11. findet der Jodlerabend statt. Was erwartet die Besucher an diesem Abend?
Es wird ein traditioneller Jodlerabend, den wir zusammen mit dem Jodelquartett Windstill aus Lauwil BL und der Blasmusik Füürharmoniker aus Uzwil gestalten. Ein Sketch und ein paar Witze sollen das Programm auflockern und für Bewegung in der Lachmuskelgegend sorgen.

Wann und womit startet das Programm?
Der Gemeindesaal Uzwil öffnet seine Türen um 18.45 Uhr. Ab 19.00 Uhr besteht die Möglichkeit zu essen. Ab ca. 19.45 Uhr spielt unsere Tanzmusik etwa drei Stücke, bevor das offizielle Programm um 20.00 Uhr vom Jodlerclub Uzwil mit originellem Einzug gestartet wird.

Was ist das Highlight des Abends?
Für uns neu an einem Jodlerabend ist das Stück «Jodelphonie.» Das ist ein Stück von Emil Wallimann mit Blasmusik und Naturjodel. Diese Kombination mit Walzer und Ländler Takt führen der Jodlerclub Uzwil und die Füürharmoniker gemeinsam auf.

Muss ich Tickets kaufen? Wenn ja, wo?
Nein. Es gibt keinen Vorverkauf und keine offizielle Platzreservation. Um sich einen guten Platz zu sichern, muss mindestens ein Teil einer Gruppe frühzeitig vor Ort sein und die nötigen Plätze reservieren. Es besteht die Möglichkeit, zu einem Gratisprogramm zu kommen. Das kann durch gute Beziehungen oder zum Beispiel durch eine Passivmitgliedschaft sein.

Herzlichen Dank für das spannende Interview. Uzgang.ch wünscht Ihnen und dem Jodlerclub Uzwil einen erfolgreichen Jodlerabend.